Neulich, als ich wegen eines anhalten Regengusses nicht das Fachwerk streichen konnte, aber auf dem Grundstück unterwegs war, hörte ich seltsame Geräusche. Erst leise, dann lauter. Etwas kläglich, und irgendwie wie ein unzufriedener Vogel. Oder so ähnlich. Kein Vogel, der mir bekannt war. Ich schaute und schaute, aber im frischen Laub der Kastanie war nichts auszumachen.

Im Laufe des Vormittags wanderte die Quelle der Geräusch an der Kastanie nach unten. Bis ich es irgendwann erspähte: in der untersten Astgabel der Kastanie saß, patschnass ein kleines Tierchen und klagte sein Leid. Weil man es nur teilweise sehen konnte und es so nass war, war ich mir nicht sicher was ich da überhaupt sah. Ein bisschen sah es aus wie ein Marder, aber irgendwie auch nicht. Noch ein Stückchen später war das Tierchen dann von der Kastanie heruntergekommen und jammerte am Boden weiter.

Was macht man in so einem Moment? Ich versuchte bei der nächstgelegenen Stelle des Tierschutzbundes jemanden zu erreichen – ohne Erfolg. Ich rief bei meiner Tierärztin an, um zu erfragen, wer zuständig sei: Außerhalb der Gemeinde die Jäger und Förster der Reviere, innerhalb der Gemeinde wohl eher das Veterinär- oder Ordnungsamt. Das Ordnungsamt erreichte ich dann auch, aber wenn man nicht genau sagen kann, was für ein Tier man vor sich hat, und ob dem Tier wirklich etwas fehlt, ist es schwer Hilfe zu bekommen. Letztlich kam dann doch noch jemand vom Ordnungsamt und identifizierte das Wesen als Jungen Waschbären.

Stellt sich heraus: Wenn die Waschbärmama auf Futtersuche für die noch unselbständigen Jungen geht, können die schon mal ein paar Tage allein zurück bleiben. Letztlich kamen dann doch zwei Leute vom Ordnungsamt und nahmen das Jungtier mit:

Waschbären sind hierzulande nicht einheimisch und verdrängen heimische Arten. Außerdem bejagen oder vertreiben Sie Vogelpopulationen und sind damit der Biodiversität schädlich. Wenngleich hier zur Zeit keine aktive Bejagung erfolgt, wird das Jungtier wohl eingeschläfert worden sein.

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